Stephan Bitter

Karl Gottlob Sonntag (1765-1827)

Eine biographische Skizze und ein bibliographischer Versuch

Rezension


Gelungener Versuch

Eine "biographische Skizze und einen bibliographischen Versuch" hat Stephan Bitter seinen schmalen Band zu Karl Gottlob Sonntag bescheiden genannt. Aus Sicht des Autors verständlich, beginnt er seine Vorbemerkung mit der generationenalten Feststellung, dass es keine ausführliche Biographie des 1827 in Riga verstorbenen Theologen gibt, den Reinhard Wittram "die stärkste, hellste und freieste Persönlichkeit der Aufklärung in den Provinzen" nannte. Ursprünglich als Beitrag zum Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon begonnen, darf man in den Dank Bitters einstimmen, dass der Verlag diese umfangreichere Sonderveröffentlichung ermöglicht hat. Der ersten Seite, die im lexikalischen Stil die Biographie zusammenfasst, folgen 15 teils knappe, teils längere Kapitel, die sich mit den einzelnen Stationen und Aspekten von Leben und Wirken Sonntags befassen. Zunächst Geburt, Schulzeit und Studium in Sachsen über die intensive Prägung durch Johann Gottfried Herder und seinen Umzug nach Riga, das trotz verschiedener späterer Karriereoptionen sein Zuhause bleiben sollte. In der äußerst dicht geschriebenen "Skizze" wird deutlich, warum Wittram zu der eingangs erwähnten Charakterisierung kam: Ganz im Sinne der Aufklärung sich ausdauernd für Bauernbefreiung und das Schulwesen auch für die "Nationalen" (=Letten) einsetzend, ganz Mann der Praxis und doch stets zur universitären Forschung und Lehre hingezogen, hat Sonntag als Lehrer, Prediger, Generalsuperintendent und Publizist über Livland hinaus die Ostseeprovinzen des russländischen Reichs nachhaltig geprägt.

Sechszig engbedruckten Seiten der Bibliographie der gedruckten und ungedruckten Schriften Sonntags folgen 22 weitere Seiten zur wissenschaftlichen Literatur über Sonntag, die belegen, dass in Estland und Lettland auch heute intensiv zu ihm geforscht und veröffentlicht wird. Die große wissenschaftliche Biographie hat Stephan Bitter nicht geschrieben, aber dieser Band ist das hochkomprimierte Ergebnis einer intensiven "Kärrner-Arbeit", für die Bitter Respekt und Dank gebührt.
Typographische Fehler können aber nicht davon ablenken, dass hier ein "kleines Bändchen" vorgelegt wurde, das man auch als Füllhorn ungezählter künftiger Dissertationsthemen in Geschichtswissenschaften oder Theologie lesen könnte.

Dr. Martin Probst


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