Das umfassende und reich bebilderte Buch legt die Erkenntnisse langjähriger Forschungsarbeiten über die Orgeln des Orgelbauers Johann Andreas Engelhardt (1804-1866) sowie seines Sohnes Gustav Engelhatdt (1843-1919) und seiner in Herzberg am Harz tätigen Werkstatt vor. Hans-Ulrich Funk hat sich als fast vier jahrzehntelang tätiger Orgelrevisor der Ev. Luth. Landeskirche Hannovers, als Kreiskantor und Organist an der Herzberger Nicolaikirche mit ihrer großen Engelhardt-Orgel und als Orgelbauer von verschiedenen Perspektiven ausgehend dem Thema widmen können. Der Autor selbst weist darauf hin, dass es nicht sein Bestreben war, hier eine streng wissenschaftliche Arbeit vorzulegen. Stattdessen sollte dem Blick des Pragmatikers der Vorzug gegeben werden.
Der Hauptteil des Buches bietet erstmals eine Gesamtschau aller rund 100 in den Herzberger Werkstätten zwischen 1830 bis 1879 geschaffenen oder umgestalteten Instrumente, von denen noch knapp die Hälfte als Ganzes oder im wesentlichen Substanzbestand erhalten sind. Sie werden mit ihrer jeweiligen Geschichte und bei den erhaltenen Instrumenten darüber hinaus mit dem aktuellen Erhaltungszustand differenziert beschrieben und bewertet. Bei etlichen Orgeln werden zusätzlich - wo erforderlich - aus der Sicht des Orgelbauers notwendige Sanierungs- und Erhaltungsmaßnahmen aufgezeigt und gern empfohlen.
Einleitend gibt Funk einen Einblick in den mitteldeutschen Orgelbau der Zeit um 1800 im Raum Gotha, Erfurt und Weimar; also über jene Region, in welcher Engelhardt seine stilistischen Wurzeln gefunden hatte. Es empfiehlt sich, in dem reich bebilderten Buch mit der (entsprechend ihrem herausgehobenen Rang) ausführlichen Lektüre über die Herzberger Engelhardt-Orgel in der Nicolaikirche zu beginnen, der größten erhaltenen Denkmalorgel aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts in Niedersachsen. Denn hier finden sich bereits viele aufschlussreiche Angaben zur Konstruktions- und Bauart der Orgeln Engelhardts mit ausführlicher Beschreibung der Register und deren Klangcharakteristik. Unter den zahlreichen Orgelbauern, die sich in der Vergangenheit mit Restaurierungsarbeiten an Engelhardt-Orgeln beschäftigt hatten, ist hier das besonders verdienstvolle Wirken des Orgelbauers Rudolf Janke aus Bovenden (bei Göttingen) und seines Teams erwähnt. Er hatte wohl mit Abstand die meisten Engelhardt-Orgeln erfolgreich restauriert. In einem angehängten Kapitel berichtet Funk ausführlich über seine Erfahrungen und Erkenntnisse bei der Mensuration und Intonation, insbesondere im Zusammenhang mit der Restaurierung von Engelhardt-Orgeln.
Die vorliegende professionelle Publikation sei allen Orgelliebhabern gern empfohlen. Auch für die betreffenden Kirchengemeinden mit noch erhaltenen Orgeln aus der Herzberger Werkstatt stellt das Buch eine wichtige Informationsquelle zur Geschichte und dem jeweils aktuellen Zustand ihrer Instrumente dar. Besonderen Gewinn dürften jedoch alle diejenigen daraus ziehen, welche von Amts wegen mit der Aufsicht über den noch erhaltenen Bestand der Engelhardt-Orgeln als Orgelbauer oder Orgelsachverständige zu befinden haben. Für sie stellt diese Arbeit eine unerlässliche Informatiosquelle dar. Das Buch ist erschienen im wissenschaftlichen Traugott-Bautz-Verlag / Nordhausen. Es hat 650 Seiten und kostet 75,- €.
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