Dieses opulente Werk ist gleich ein doppeltes Lebenswerk: Es befasst sich mit Leben und Wirken des Orgelbauers Johann Andreas Engelhardt (1804-1866) und ist zugleich Ergebnis einer jahrzehntelangen Auseinandersetzung des Autors Hans-Ulrich Funk mit der Thematik. Der Herzberger Orgelbauer Johann Andreas Engelhardt wie auch sein Sohn Gustav Carl prägten die Orgellandschaft des Harzes im 19. Jahrhundert, über 50 Jahre lang wirkten sie in der ehemaligen kleinen Residenz-Stadt Herzberg. Sie schufen rund 100 Instrumente, von der Kleinorgel bis zum stattlichen Neubau in der Marktkirche Goslar (1850, III+P/46) sowie dem weitgehenden Umbau älterer Orgeln. Knapp die Hälfte ihrer Instrumente ist erhalten - sie zeugen von der hochstehenden Klangkultur der Erbauer.
Der Autor Hans-Ulrich Funk, Orgelbauer und Kirchenmusiker (inzwischen im Ruhestand) zugleich, ist durch seine Tätigkeiten als Orgelsachverständiger der Landeskirche Hannover und Kreiskantor im ehemaligen Kirchenkreis Herzberg sowie Kantor und Organist an der größten heute erhaltenen Engelhardt-Orgel in der Nicolaikirche Herzberg seit vielen Jahren aufs Engste vertraut mit den Orgeln der Region. Insofern schöpft er aus einem reichhaltigen Erfahrungsschatz und hat fundierte Einblicke, nicht nur aus Sicht des Organologen, sondern auch des praktizierenden Orgelbauers. Im Vorwort betont der Autor, dass es nicht sein Bestreben war, eine "streng wissenschaftlich angelegte Arbeit" vorzulegen; aber vielleicht liegt auch gerade darin die besondere Stärke dieser Monographie: es handelt sich nicht bloß um eine Aufzählung von theoretischen Fakten, sondern die praxisbezogene Herangehensweise - nicht zuletzt auch das zu jeder Orgel formulierte "Resümee" - erlaubt es, noch tiefer in die technische, klangliche und geschichtliche Welt der Engelhardt-Orgeln einzutauchen. Dass dabei Quellenangaben eher global als detailliert erfolgen, schmälert nicht die Glaubwürdigkeit der Angaben und ist höchstens für das wissenschaftliche Nachschlagen von Primärquellen von Nachteil.
Das Buch umfasst neben einführenden Abschnitten (darunter ein ausführliches Kapitel über den mitteldeutschen Orgelbau vor und nach 1800 im Raum Gotha, Erfurt und Weimar) die Einzelvorstellung von 96 Orgeln und deren detaillierter Baugeschichte (davon 47 Orgeln erhalten) sowie biographische Ausführungen, "Erfahrungen und Erkenntnisse bei Mensuration und Intonation, besonders im Zusammenhang mit der Restaurierung von Engelhardt-Orgeln", ausführliche Verzeichnisse, Quellentranskripte, zahlreiche Fotos und vieles mehr. Der Leser spürt deutlich die Leidenschaft, mit der sich der Autor für die Thematik eingesetzt hat und einsetzt. Und nicht zuletzt ist das Buch auch ein eindrückliches Zeugnis der hohen Qualität der Orgeln von Johann Andreas Engelhardt - einem Meister an der wichtigen Schnittstelle zwischen Barock, Klassizismus und Frühromantik.
Gabriel Isenberg
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