Jürgen Pfestorf
Reinkarnation, Wiedergeburt und Auferstehung
in den Evangelien

Rezension


Wiederholte Erdenleben und einmalige Auferstehung

Zu den gängigen massiven Angriffen konfessionell gebundener Theologen auf die Ansicht von den wiederholten Erdenleben bildet das selbstständige Werk von Jürgen Pfestorf "Auferstehung - Wiedergeburt - Reinkarnation", auf das hier hingewiesen werden soll, einen wohltuend positiven Gegenpol. Als ehemaliger Betriebsleiter (Dr. rer.pol.) und autodidaktischer Philosoph, der erst vor knapp 20 Jahren mit dem Werk Rudolf Steiners und anderen geisteswissenschaftlich orientierten Schriften (E. Bock, R. Frieling, W. Kelber) bekannt wurde, gibt Pfestorf eine profunde philosophische Einführung in die Vorstellung der wiederholten Erdenleben. Neben sehr vielen, den anthroposophisch ausgerichteten Lesern längst bekannten Voraussetzungen (aus Lessings "Erziehung des Menschengeschlechts" oder Goethes Gedichten) blickt er aus ungewohnter Richtung auf die Evangelien und zeigt an vielen Beispielen, dass sie letztlich nur auf der Grundlage eines Weltbildes zu verstehen sind, das mit dem mehrfachen Zurückkehren des Menschen in das Erdenleben rechnet. Dabei hält Pfestorf in überzeugender Weise vor seinem inneren Auge stets den Unterschied zu den verwandten Begriffen Wiedergeburt und Auferstehung lebendig, im Bewusstsein, dass die drei Begriffe in der Bibel nicht unterschieden sind.

Obwohl der Buchtitel eine andere Abfolge einhält, stellt Pfestorf am Ende seiner Zusammenfassung klar, dass die wiederholten Erdenleben und die Wiedergeburt eine gedankliche Ausgangsbasis für die Stufenfolge bis zur Auferstehung darstellen. In dieser Reihenfolge wird jeder dieser Grundbegriffe des Christentums in einem eigenen Kapitel behandelt. Die klare Abgrenzung der Auferstehung von Reinkarnation und Wiedergeburt ist der Höhepunkt seiner Begriffsklärung. Gründliche Kenntnis der Evangelien und der Paulusbriefe kommt seiner grundlegenden Unterscheidung von Wiedergeburt und Auferstehung (nach Nikodemusgespräch und 1. Korintherbrief) zugute. Erlebt der Mensch nach jedem Leben seinen Jüngsten Tag, so bringt am Erdenende der große Jüngste Tag die endgültige Entscheidung.

Man kann die Darstellung Pfestorfs als bloße Definitionsbemühung ansehen, aber sie ist mehr: Sie ist eine großartige religiöse Begriffsklärung, hilfreich zur Selbstklärung und Läuterung für den Leser, der sich zur Selbstschulung entschlossen hat. Stets entwickelt Pfestorf seine Gedanken aus den einschlägigen Darstellungen Rudolf Steiners, so dass sich ein einheitliches Gedankengebäude ergibt. Offen bleibt allein das Bedürfnis nach Beispielen, welche die Anwendung der Ideen im tatsächlichen Leben zeigen.

Christoph Rau


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